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05.009 Die Sonderstellung der Erde

 

Jakob Lorber
Das große Evangelium Johannes, 1851-1864
jl.ev08.056-057 Die Sonderstellung der Erde

jl.ev08.056,01-07

   01] Als wir aber noch zwischen den Äckern und Gärten schon ganz in der Nähe von Bethanien umherwandelten und dann bald auf dem schon bekannten Lieblingsruheplatze des Lazarus auf einer kleinen Anhöhe anlangten, um allda im Freien ein wenig auszuruhen, da wir bei der Besichtigung der Gründe des Lazarus denn doch bei drei Stunden lang auf den Füßen zugebracht hatten, da trat einer aus der Zahl der Römer zu Mir und fragte: »Herr und Meister, bis jetzt habe ich nur zugehört und für mich noch kein Wort geredet und sage nun, daß alles von Dir, wie auch von dem sonderbaren Engel Gesprochene, Erklärte und von uns Gesehene mir das unwidersprechbarste Zeugnis von Deiner unmittelbaren und persönlichen Göttlichkeit gab. Aber Du erklärtest uns auch den gestirnten Himmel und hast uns durch Deine Güte und durch die Allmacht Deines heiligen Willens in derartige Zustände versetzt, in denen wir die andern Erdkörper ebenso klar besehen konnten wie nun mit den fleischlichen Augen die Gefilde dieser Erde, und fanden überall Menschen und eine Menge anderer Geschöpfe. Ja, wir fanden in den geschauten andern Erdkörpern sogar noch um vieles herrlichere Länder und Gegenden und Menschen und andere Geschöpfe in einer auch um vieles höheren Vollendung, und die Schönheit und große Regelmäßigkeit ihrer Wohngebäude übertraf die dieser Erde ums unbeschreibbare.

   02] Nun, als ich bei mir darüber allerlei Betrachtungen anstellte, da warf sich in meinem Herzen die Frage auf, wie und aus welchem Grunde Du, o Herr, gerade auf dieser in jeder Hinsicht mageren Erde hast einen diesmenschlich fleischlichen Leib anziehen wollen, da Dir zu diesem Zwecke doch zahllose Myriaden der herrlichsten und größten Sonnenwelten zu Gebote gestanden wären. Könntest oder wolltest Du uns darüber nicht auch noch so einige für uns Römer verständlichere Aufschlüsse geben?«

   03] Sagte Ich: »O ja, - obschon Ich euch alle bei der Enthüllung der materiellen Schöpfung und namentlich bei der Darstellung und klaren Erklärung der Sonnenordnung in einer Hülsenglobe und hernach des ganzen großen Schöpfungsmenschen darauf wohl aufmerksam gemacht habe, wie und warum Ich gerade auf dieser Erde und auch eben in dieser Zeit das Leibliche angezogen habe; aber so Ich es euch auch wieder erkläre, so werdet ihr das doch auf den vollen Grund nicht einsehen, und das so lange nicht, bis ihr nicht selbst im Geiste wiedergeboren werdet. Aber dessenungeachtet kann Ich euch dennoch noch einen ganz kurzen Wink darüber geben, weil Ich es zum voraus sehe, daß eben dieser Punkt unter den künftigen Weltweisen und Theosophen ein ganz bedeutsam und bedenklich strittiger werden kann und auch werden wird. Und so höret Mich denn nochmals an!

   04] Der eigentliche Grund liegt freilich nur in Meiner Weisheit und in Meinem Willen. Daß ein jeder Mensch, so wie auch jedes warmblütige Tier, ein Herz hat, von dem sein leibliches Leben abhängt, das werdet ihr wohl alle wissen, aber ihr kennet den Bau des Herzens nicht. Ich aber kenne ihn gar wohl und weiß darum auch, was im Herzen ist, durch das dasselbe belebt wird.

   05] Es befinden sich im Herzen zwei überaus kleine Kämmerlein, die den beiden großen Blutkammern entsprechen. Für eure Augen würden diese beiden Kämmerlein wohl kaum als kleinste Pünktlein sichtbar sein. So klein aber auch diese Pünktlein sind, so bedingen sie durch ihre Einrichtung doch ganz allein zuerst das Leben des Herzens und durch dasselbe das Leben des ganzen Leibes und aller seiner zahllos vielen Teile und Organe.

   06] Das eine erste und somit allerwichtigste Kämmerlein entspricht dem, was des Geistes und somit des eigentlichen Lebens ist, und wir wollen es das bejahende und somit wahre nennen. Das zweite, gewisserart minderwichtige, obschon zum natürlichen Leben des Leibes auch unumgänglich notwendige, aber wollen wir das der Materie entsprechende, also auch das verneinende nennen. Dieses hat für sich kein Leben, sondern ist nur ein Aufnahmegefäß fürs Leben, welches es mit jedem erneuten Herzschlage aus dem bejahenden Kämmerlein wie von neuem aufnimmt und es dann dem ganzen Leibe durch das Blut mitteilt.

   07] Aus diesem leicht faßlichen Bilde könnet ihr nun schon entnehmen, wie das Herz in seinem Lebensgrunde beschaffen ist und sein muß, auf daß es dem ganzen Leibe das Leben verschaffe. Daß das Herz dann noch eine sehr weitwendige und überaus kunstvolle und höchst weise organisch-mechanische Einrichtung zur Fortförderung des in ihm entwickelten Lebens hat und haben muß, das versteht sich auch ohne weitere Erklärung von selbst; denn wo etwas weitergebracht werden soll, da müssen zu dem Zwecke auch wohlgebahnte Wege und Überbringungsmittel bestehen und dasein. Wir aber brauchen zur Beleuchtung unserer Sache hauptsächlich nur die beiden Kämmerlein, und von ihnen eigentlich nur das bejahende.«

jl.ev08.057,01-22

   01] (Der Herr:) »Seht, wie im Kleinen ein jeder Mensch zum Behufe seines leiblichen kurzen Probelebens eingerichtet ist, also ist entsprechend auch in den weitesten Umrissen der ganze große Schöpfungsmensch eingerichtet!

   02] Denket euch, daß eben diese Hülsenglobe, in der sich diese Erde mit dem Monde, der Sonne und allen zahllos vielen andern Sonnen und Erdkörpern befindet, zur Einrichtung des Herzens im Großen Schöpfungsmenschen gehört, und daß eben diese Sonne mit ihren Planeten, von denen sie umbahnt wird, das bejahende Lebenskämmerlein darstellt und in diesem Lebenskämmerlein eben diese Erde entsprechend den eigentlichen geistigen Grundlebensstoff bedingt und ausmacht, was wohl nie ein Weltweiser einsehen wird, wie und warum. Aber Ich als der Schöpfer der Unendlichkeit aus Mir weiß darum und kann es euch denn auch also sagen, wie sich diese Sache verhält.

   03] Ich bin aber von Ewigkeit der Grund alles Lebens und alles Seins und bin somit auch die urbejahende Lebenskammer im ewigen Lebensherzen der Unendlichkeit.

   04] So Ich denn nach Meiner Liebe, Weisheit und Ordnung in Mir Selbst beschlossen habe, das Leiblich- Menschliche anzuziehen, so konnte Ich der ewigen Ordnung gemäß in dem Großen Schöpfungsmenschen ja das auch nur auf dem Punkte realisieren, der Meinem Urwesen, wenn auch aus Mir geschaffen, völlig entspricht.

   05] Es ist zwar damit nicht gesagt, daß gerade diese Erde, auf der wir nun sind, den eigentlichen Hauptbejahungspunkt darstellen müßte. Das könnte auch eine andere Erde, zu dieser Sonne gehörig, sein, und es war auch schon eine andere dazu bestimmt; aber deren Bewohner haben sich noch um vieles unwürdiger benommen als nun die Bewohner dieser Erde, und so ward jene Erde verworfen und verwüstet samt ihren Bewohnern.

   06] Da aber nun diese Erde seit den Zeiten Adams dazu erkoren ward und auf ihrem Boden Ich nun das Leibmenschliche angenommen habe, so wird sie als das auch verbleiben bis uns Ende der Zeiten der gerichteten Geister in aller Materie, und ihr werdet aber auch die Austräger des Urgrundlebens in alle Unendlichkeit und Ewigkeit im Geiste aus Mir verbleiben und eben darum Meine wahren Kinder sein.

   07] Sehet, da ist nun ganz kurz und so klar als möglich der Grund vor euch hingestellt, warum Ich nur auf dieser und auf keiner andern noch so großen und vollkommenen Erde habe das Leibmenschliche aus purer Liebe zu nun Meinen Kindern anziehen können!

   08] Es gibt aber neben diesem Hauptgrunde auch noch andere Gründe, die da mit in die Bestimmung Meines Willens der ewigen Ordnung gemäß gezogen werden können. Allein diese Nebengründe sind denn doch nur notwendige Folgen des eigentlichen Hauptgrundes, und wir brauchen sie darum nicht gar zu namentlich vorzuführen.

   09] Ein solcher Grund ist einmal die gänzliche Demütigung und Erniedrigung, ohne die sich auch ein höherer Geist nicht mit dem Fleische der Lebensprobe umkleiden und dann wieder ins völlig freieste und selbständige Leben übergehen oder zurückkehren kann; und das stellt auch diese Erde dar.

   10] Das bejahende Lebenskämmerlein im Herzen ist, was die Leibesteile betrifft, sicher auch das unansehnlichste Partikelchen des ganzen Leibes, ist finster und wird nie von den Strahlen der Sonne erleuchtet und wird selbst von den Menschen, denen es doch das Leben schafft und gibt, gar nicht erkannt und geachtet. Ja, wenn man davon zu den Weltweisen redete, so würden sie mit den Achseln zucken und sagen: "Wie möglich kann das mächtige allgemeine Leben eines Menschen wohl nur von einem kaum sichtbaren kleinen Pünktlein abhängen?!" Aus dem aber geht ja doch klar hervor, daß selbst die größten Weltweisen ihren eigenen Lebensgrund nicht von fernehin kennen, geschweige erst ein anderer Tagesmensch.

   11] Und doch muß ein jeder Mensch, der sich selbst und Gott wahrhaft erkennen will, in dies sein allerunansehnlichstes Herzlebenskämmerlein auf dem Wege der äußersten Demut und Fügsamkeit eingehen und das aus demselben empfangene Leben geistig wieder zurückgeben! Wenn ein Mensch das tut, so erweitert er das Lebenskämmerlein und erleuchtet es durch und durch. Ist aber das geschehen, so wird dann das ganze Herz und vom Herzen aus der ganze Mensch erleuchtet und erkennt sich selbst und dadurch auch Gott, weil er da erst gewahren und erschauen kann, wie das Leben in diesem Kämmerlein aus Gott einfließt, sich da sammelt und zu einem freien, selbständigen Leben ausbildet.

   12] In diesem Kämmerlein wohnt sonach der eigentliche Geist aus Gott, und so die Seele des Menschen in dies Kämmerlein durch die rechte Demut, Fügsamkeit, wie die Liebe des rechten Menschen zur ewigen, unerschaffenen Liebe Gottes eingeht, so einigt sich dadurch die Seele mit dem ewigen Geiste aus Gott und dieser mit der geschaffenen Seele, und das ist dann eben die Wiedergeburt der Seele im Geiste aus Gott.

   13] Wie aber ein rechter Mensch das tun muß, um in sich zur vollen Herrlichkeit des Lebens einzugehen, also habe es nun auch Ich Selbst euch allen zum wahren Muster und zu einem wahrsten Wegweiser im Großen Schöpfungsmenschen getan und bin darum auf diese Erde, weil sie nach Meiner ewigen Ordnung eben, wie schon gezeigt, dem bejahenden Herzenskämmerlein entspricht, gekommen, um so zu Meiner eigenen und dadurch auch zu eurer größten Herrlichkeit einzugehen in alle Gewalt im Himmel und auf allen Erden.

   14] Ich war wohl schon von Ewigkeit her in Mir Selbst in aller Macht und Herrlichkeit, aber Ich war dennoch für kein geschaffenes Wesen ein schau- und begreifbarer Gott, auch nicht für einen vollkommensten Engel. So Ich Mich jemandem, wie dem Abraham, Isaak und Jakob, gewisserart beschaulich machen wollte, so geschah das dadurch, daß Ich einen Engel besonders mit dem Geiste Meines Willens also erfüllte, daß er dann auf gewisse Momente Meine Persönlichkeit darstellte. Aber von nun an bin Ich allen Menschen und Engeln ein schaubarer Gott geworden und habe ihnen ein vollkommenstes, ewiges und selbständig freiestes und somit wahrstes Leben gegründet, und eben darin auch besteht Meine eigene größere Verherrlichung, und so denn auch die eurige.

   15] Denn wie konnten selbst die vollkommensten Engel und auch die frömmsten Menschen dieser und aller andern Erden den niemals geschauten und daher auch niemals vollkommen begriffenen Gott wahrhaft verherrlichen durch eine wahre und lebendige Liebe zu Ihm? Denn da hieß es allzeit: "Gott kann niemand schauen und dabei erhalten das Leben; denn die pure Gottheit in Sich ist ein verzehrendes, ewiges Feuer!" Dies Feuer ist nun in Mir bedeckt und gedämpft durch diesen Meinen Leib, und es heißt nun nicht mehr: "Gott kann niemand schauen und leben!", sondern: "Von nun an wird ein jeder Engel und Mensch Gott schauen und leben können; und wer nicht Gott schauen wird, der wird ein sehr elendes und gerichtetes Leben haben!"

   16] Dieses nun euch Gesagte und Gezeigte ist demnach sicher auch ein Nebenhauptgrund, warum Ich eben nur auf dieser Erde das Fleischmenschliche angenommen habe.

   17] Wie ihr aber nun aus dieser Darstellung sicher habet klar entnehmen müssen, warum Ich auf dieser und auf keiner andern Erde das Fleischmenschliche habe annehmen können, so werdet ihr auch noch das Weitere ebenso klar entnehmen und einsehen können.

   18] Ihr habt gesehen, wie das gewisse allerunansehnlichste bejahende Herzlebenskämmerlein als das eigentliche Grundlebensprinzip des Menschen auch allein der hellsten und wahrsten Intelligenz fähig und sonach schon in sich das Licht, die Wahrheit und das Leben ist. Also verhält es sich auch mit den Menschen dieser Erde. Sie sind gegenüber den Menschen der andern Erden ursprünglich auch höchst unansehnlich, verdeckt, finster, klein, schwach und ohnmächtig und sind von den Geistern der andern Weltkörper auch wie ungekannt und kennen sich am Ende auch selbst nicht; aber eben in ihrer verborgenen inneren Lebenstiefe sind sie aus Mir der Grundlebenspunkt des ganzen Großschöpfungsmenschen und können aus sich darum auch solch allerhöchste Lebensfähigkeiten entwickeln, die bei den Menschen anderer Erden nur in einem höchst einseitigen und untergeordneten Grade vorkommen.

   19] Vermöge solcher höchsten und gottähnlichen Fähigkeiten der Menschen dieser Erde, zu denen auch besonders eine wohlartikulierte äußere und innere Sprache, die Schreib- und Rechenkunst und noch gar manches andere gehört, sind sie denn auch allein geeignet, das geoffenbarte Wort aus dem Munde Gottes einmal vorerst im äußeren Buchstaben- oder Bildersinne und daraus dann auch im wahren geistigen und endlich auch im tiefsten himmlischen Lebenssinne zu vernehmen.

   20] Diese Fähigkeit aber ist etwas unschätzbar Großes und Vorzügliches, gleichwie auch die Lebens- und Intelligenzfähigkeit des bejahenden Herzlebenskämmerleins der allerunschätzbarst vollkommenste und edelste Teil des ganzen Menschen ist. Und Ich konnte darum auch wieder nur zu euch auf diese Erde und zu niemand anderem auf einer anderen Erde kommen.

   21] Sehet, das ist denn wieder so ein Grund, aus dem Ich auch eben nur auf dieser Erde das Fleischmenschliche habe annehmen können! Und darin bestehen schon so die Hauptgründe Meiner Menschwerdung auf dieser Erde.

   22] Und nun denket darüber ein wenig nach, und äußert euch, wie ihr das nun begriffen habt!«

 

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